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Martin Backhaus nach Verletzungen fast der Alte

Mit ihrem bewährten Teamgeist und einem neuen Tschechen kämpfen die Tennis-Asse des TC RC Sport um den Klassenerhalt.

Sie sind eine verschworene Truppe, spielen seit Jahrzehnten in der noch immer aktuellen Stammbesetzung. Doch wenn ein Leistungsträger wie Martin Backhaus ausfällt, wird es für den TC RC Sport besonders schwer mit dem Klassenerhalt in der höchsten nationalen Tennis-Spielklasse der AK 40. Am 13. Juni sollte sich Backhaus lieber in Watte einpacken oder gleich im Bett bleiben. Denn exakt an diesem Datum zog er sich 2020 und 2021 schwere Verletzungen zu, die das Saison-Aus und eine monatelange Reha nach sich zogen. Es reicht auch nicht, wenn der 45-Jährige am 13. Juni den Tennisplatz meidet, denn 2020 malträtierte er sich den großen Zeh total, als er barfuß die heimische Küche umbaute. Ein Jahr später passierte es im ersten Punktspiel, als „Backi“ mit (aus heutiger Sicht) übertriebenem Ehrgeiz unbedingt einen diagonal aufs Nachbarfeld gespielten Ball noch erlaufen wolle. Sein Oberschenkel fand den extremen Ausfallschritt nicht so sexy und antwortete mit einem Muskelabriss. „Da konnte ich eine Woche lang nicht sitzen. Wenn die Familie Abendbrot gegessen hat, habe ich daneben im Stehen gespeist.“

Backhaus hat sich zurückgekämpft, ist fast wieder der Alte, obwohl er im Winter wegen des Sachsen-Lockdowns wenig trainieren konnte. Doch Tennis verlernt der mehrfache Sachsenmeister, der als Student sogar Weltranglistenpunkte erspielt hatte, nicht. Sobald die Anlage am Elsterwehr bespielbar war, stand er in aller Frühe vor der Arbeit mit Marco Dietze vor der Arbeit auf dem Platz. Beide sind ideale Trainingspartner, weil sie nicht nach Lücken im gegnerischen Feld und Punkten gieren, sondern mit langen Ballwechsel Sicherheit für die Punktspielsaison gewinnen. Nachmittags spielt Backhaus dann mit Thomas Weiß, der Nummer eins im Team, auch mal ein Match. „Thomas ist der richtige Gradmesser. Wenn es knapp wird gegen ihn, kann meine Form so schlecht nicht sein.“

Inzwischen hat es mit dem ersten Saisonsieg (6:3 gegen Pliening) geklappt, Himmelfahrt (ab 11 Uhr) soll daheim gegen Bad Weißer Hirsch Dresden der für den Klassenerhalt wichtige zweite Erfolg her. „Wir wissen, dass wir es schaffen können, wenn wir unser Leistungsvermögen abrufen“, erklärt der 51-jährige Marco Dietze, der parallel das Ostliga-Team der AK 50 verstärkt. Dietze verweist auf zwei weitere entscheidende Faktoren: „Regionalliga 40 ist kein Feierabendtennis mit einem Bier. Die Fitness ist das A und O, denn Tennisspielen können sie alle. Und für uns sind die Doppel ein ganz entscheidendes Element. Da sind wir nicht ausrechenbar, setzen die Duos immer wieder neu zusammen.“ Am Samstag stand es nach den Einzeln 3:3, nach den Doppeln 6:3 für die Leipziger, die im Vorjahr sogar ein 2:4 noch drehten.

Gerade für die „RC-Sport-Waffe“ Doppel ist der neue Tscheche im Team Gold wert. Jaroslav Bartl verließ den RC Sport, weil er sich in der finanziell lukrativen Bezirksliga Bayern über kürzere Wege freut. Doch Neuzugang Radovan Forgacs war mal Nummer 400 der Doppel-Weltrangliste. „Wir haben lange nach einem solchen Spieler gesucht und gleich gespürt: Er hat Spaß am Tennis, ist ehrgeizig und spielt nicht nur wegen des Geldes für uns.“ Als Auftakt-Gegner München beim Stand von 6:0 die Doppel abschenken wollte, war der Tscheche wie das gesamte RC-Team sofort dagegen.

Die Wettkampfpraxis hat den Leipzigern geholfen, das nächste Team-Match zu gewinnen. Apropos Gastspieler aus Tschechien: Ganz ohne ausländische Hilfe funktioniert es nicht in der höchsten Klasse der 40- bis 50-Jährigen. Die Gegner aus Bayern haben oft mehrere Hochkaräter aus Spanien, Portugal, Österreich oder Tschechien am Start. Der international gut angebundene Flughafen München ist dabei eine große Hilfe. Doch diesen Standortnachteil versucht das Leipziger Team um Integrationsfigur Volker Schmidt als verschworene Einheit wettzumachen. Bislang mit Erfolg.


Martin Backhaus (l.) und Marco Dietze auf der Vereinsanlage des TC RC Sport Leipzig. Foto: privat


Quelle: LVZ, 25.04.2022, Frank Schober

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